Wieder im Trend: Leben nach dem Tod

Die Bertelsmann-Stiftung hat kurz vor Ostern 2009 Ergebnisse ihrer aktuellen Umfrage zu religiösen Einstellungen in Deutschland („Religionsmonitor“) veröffentlicht, die auf der Befragung von 21.000 Menschen beruhen. In einer Pressemitteilung heißt es dazu:

Eine Mehrheit der Deutschen glaubt an ein Leben nach dem Tod, zum Beispiel durch die Auferstehung der Toten, die Unsterblichkeit der Seele oder eine Wiedergeburt. Ein Drittel der Bundesbürger lehnt dagegen derartige Vorstellungen eindeutig ab.

Allerdings gibt es dabei deutliche Unterschiede nach Wohnort und Geschlecht:

Während 60 Prozent der Ostdeutschen mit der Vorstellung von einem Weiterleben nach dem Tod gar nichts oder nur wenig anfangen können, sagen dies nur 25 Prozent der Westdeutschen. Ziemlich oder sehr glauben dagegen nur 13 Prozent der Ostdeutschen, aber 38 Prozent der Westdeutschen. Frauen erwarten ebenfalls häufiger als Männer ein Weiterleben nach dem Tod.

Besonders überraschend für alle, die über den Niedergang der christlichen Kirchen klagen, mag aber folgendes Ergebnis sein:

So sind sich die Menschen unter 30 Jahren deutlich sicherer in ihrem Auferstehungsglauben als die Älteren. Während die Jüngeren zu 41 Prozent sehr oder ziemlich fest glauben, sind es bei den Älteren über 60 Jahre nur noch 32 Prozent. Umgekehrt ist der Anteil derjenigen, die die Vorstellung an ein Leben nach dem Tod klar von sich weisen, bei den über 60-Jährigen mit 37 Prozent doppelt so groß wie bei den Jüngeren.

Martin Rieger, der die Auswertung geleitet hat, kommentiert dies in der „Süddeutschen Zeitung“ (Nr. 79, 4.4.2009, S. 14) mit einem Hinweis auf die jüngere deutsche Geschichte:

Der 68er-Generation ging es um eine Abgrenzung von Kirchen und damit auch vom Glauben. Für die heutige Jugend gilt das nicht mehr. Die natürliche Sehnsucht, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, führt zu Formen von Religiosität ohne kirchlichen Unterbau, nach dem Motto: Ich entscheide selbst, woran ich glaube.

Kein ungetrübtes Bild bietet dabei die evangelische Kirche im Vergleich zu Katholiken und Muslimen:

Unter getauften evangelischen Kirchenmitgliedern lehnen 30 Prozent den Auferstehungsglauben ab, bei Katholiken sind es dagegen nur 15 Prozent. Im Vergleich dazu ist unter den in Deutschland lebenden Moslems eine entsprechende Vorstellung sehr viel lebendiger. Von ihnen sagen nur 10 Prozent, dass sie in keiner Weise an ein Leben nach dem Tode glauben, 74 Prozent glauben dies dagegen sehr oder ziemlich.

Martin Rieger zieht daraus die Schlußfolgerung:

So stellen wir fest, dass z. B. Deutschland nach wie vor ein religiös geprägtes Land ist. Einerseits kann dabei gezeigt werden, dass es auch unter den konfessionell gebundenen Menschen eine Minderheit religiös gleichgültig ist. Andererseits sind aber auch Menschen, die keiner religiösen Gemeinschaft angehören, von religiösen Vorstellungen geprägt und auf diesem Gebiet auch weiterhin ansprechbar.

Wenn Sie Ihr eigenes religiöses Profil ermitteln und mit den Durchschnittswerten für Deutschland vergleichen wollen, können Sie dies auf der Homepage von „Religionsmonitor“ kostenlos tun.

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