Bocksfeld

Wer im Bereich unserer Gemeindegrenzen wohnt, kennt den Begriff „Bocksfelde“ als Namen eines Spandauer Ortsteils, der etwa zwischen Scharfer Lanke und Heerstraße zu lokalisieren ist. Bewohner des Spandauer Stadtzentrums oder gar „Berliner“ — um diese scherzhaft gemeinte Unterscheidung einmal aufzugreifen — kennen Bocksfelde nur selten. An den Namensgeber, den in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts geborenen Maurermeister Johann Abraham Bocksfeld, erinnern die Bocksfeldstraße und der sich westlich anschließende Bocksfeldplatz. Natürlich bestehen zwischen dem verdienten Mann der Spandauer Stadtgeschichte und dem auf dem kleinen Königsplatz von der Wochenendsiedlung und Wassersportvereinigung Bocks felde e. V. aufgestellten Denkmal eines Böckchens keine Zusammenhänge. Das hieß denn doch den Bock zum Maurer (nicht zum Gärtner!) machen, was unmöglich unterstellt werden kann. Doch zurück zu Meister Bocksfeld! Der wohlhabende Spandauer Bürger wurde 1809, nach Einführung der Städteordnung, zum ersten Spandauer Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Zu seinen handwerklichen Leistungen gehörte u. a. der Kirchen- bau in Berlin-Schmöckwitz (bei Grünau) im Jahre 1799. Schon 1808 kaufte Bocksfeld unweit der Scharfen Lanke ein Geländestück, um darauf zuerst eine Kalkbrennerei und später eine Ziegelei anzulegen. Es war das Gebiet, wo 1791 eine Windschneidemühle aus Swinemünde aufgestellt worden war, die Holz von Pichelswerder, von der „Königlichen Nutz-Holz-Niederlage“ verarbeitete. Diese Mühle wurde bald nach der kostspieligen Errichtung verkauft und in eine Lohmühle umgewandelt. Sie hat nicht ganz zwei Jahrzehnte bestanden, dann wurde sie abgerissen. Nach dem Tode Bocksfelds — er starb 1852 — ging sein Name auf die kleine Ansiedlung über. Das Gelände wurde landwirtschaftlich genutzt, und als „Vorwerk“ oder teilweise — recht hochtrabend — als „Gut“ bezeichnet. Noch heute sind mit dem Haus Bocksfeldstraße 25 und dem anschließenden Ziegelbau Gebäude aus dieser Zeit erhalten. Damals lebten auch einige Schifferfamilien in Bocksfelde.

Das Osthavelländische Kreisblatt vom 19. 7. 1862 berichtet über einen , Diebstahl von 3 Talern und 20 Silbergroschen, der der Ehefrau des Schiffers Giese zugefügt worden sei. Man hatte auch sogleich eine Landstreicherin als Tatverdächtige zur Hand, deren „Signalement“ so lautete: Alter: 26 Jahre, Größe 4 Fuß, 11 Zoll, Mund: gewöhnlich. Besondere Kennzeichen: schielt etwas, Bekleidung u. a.: weiße Unterröcke, Strumpfbänder mit gelber Seide. Hoffen wir, daß Frau Giese wieder zu ihrem Gelde gekommen ist. Der landwirtschaftliche Betrieb ging noch etwa bis zur Jahrhundertwende weiter. Dann bemächtigten sich Grundstücksspekulanten der Bocksfelder Ländereien, in der Hoffnung, daß das westliche Havelufer mit seinen Ausbuchtungen (Grimnitzsee und Scharfe Lanke) industriell genutzt werden sollte. Einzelne Fabrikanlagen waren schon entstanden, als 1911 ein entsprechendes Verbot erging und nur noch landhausmäßige Bebauung erlaubt war. Inzwischen war Bocksfelde längst zum Reservat der „Wassersportler und Laubenkolonisten geworden. Ein Sportanglerverein (seit 1902) und der Segelklub „Marchia“ gehörten zu den ersten „Sportvereinen an der Scharfen Lanke. 1917 verkauften dann die letzten Privatbesitzer (Bersteinsche Erben) das Bocksfelder Gelände an die Stadt Spandau.

Zu diesen Ur-Bocksfeldern gesellten sich um 1927 zahlreiche Polizei- und Postbedienstete. Die Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft „Postheimstätte“ eGmbH hatte zu dieser Zeit begonnen, die Gegend um den Bocksfeldplatz mit Einfamilien-Reihenhäusern zu bebauen. Zugleich übernahm sie die unvollendet gebliebenen Bauten einer geplanten Polizeisiedlung zwischen Bocksfeldstraße und Jaczostraße.

Ab 1958, mit den Neubauten der „Postheimstätte“ an der Heerstraße (die Nummern 251 bis 275), erhielten die “ alten Bocksfelder“ eine kräftige Blutauffrischung. Aber auch die neue Generation ist in der landschaftlich so bevorzugten Gegend Scharfer Lanke und Heerstraße schnell heimisch.


Chronik von Ort und Kirchengemeinde Pichelsdorf (1971)
<Pichelswerder|Die Scharfe Lanke>