Vorwort

Nur wenige kennen Pichelsdorf und seine Geschichte. Darum möchte diese kleine Chronik in die geschichtliche Entwicklung von Ort und Kirchengemeinde einführen.

Pichelsdorf ist landschaftlich eines der schönsten Wohngebiete von West-Berlin. Es liegt an der Havel und einer ihrer Ausbuchtungen, der Scharfen Lanke. Die Schönheit dieser Landschaft wurde oft besungen, wie folgendes Beispiel zeigt: Im Jahre 1800 lud Königin Luise den damals sehr berühmten Dichter Jean Paul nach Berlin ein. Er war umschwärmter Mittelpunkt der Damen des Hofes. Rahel Levin, die spätere Frau Warnhagen von Enses, hat auf Pichelswerder ein Frühlingsfest zu Ehren von Jean Paul arrangiert. In einem Brief an seinen Freund Christian Otto in Hof schreibt er u. a. folgenden Satz: „Auf der herrlichen Insel Pickelswerder (1 1/2 Meilen von Berlin) fand ich soviele schöne Freundinnen auf einmal, daß es einen ärgert, weil jeder Anteil den anderen aufhob.“ Seit der romantischen Reise Jean Pauls auf die Insel Pichelswerder hat sich hier allerdings viel verändert.

Von der Weinmeisterhöhe, die mit eleganten Villen bebaut ist, erblickt man die großen Neubaukomplexe an der Heerstraße. Der hohe Sendemast des Senders Freies Berlin und die hellen Kuppeln der Funkstation auf dem Teufelsberg sind Symbole unseres technischen Zeitalters, das auch vor Pichelsdorf nicht haltgemacht hat.

Der Grunewald ist wie ein grüner Teppich bis zum Ufer der Havel ausgebreitet. Auf dem Wasser tuckern pchwere Lastkähne, jagen Motorboote über die Wellen und gleiten lautlos Segelboote dahin. Und wer einmal den berühmten „Havelblick“ tun konnte, der wird begreifen, warum es hier den Pichelsdorfern auch heute noch so gut gefällt.

Inmitten dieser schönen Gegend liegt — unweit der Scharfen Lanke — die kleine Gnadenkirche. Sie ist ein bescheidener und einfacher Bau. Vor 25 Jahren wurde der erste Teil dieser Kirche eingeweiht. Seitdem der Glockenturm hinzukam, dringt dessen Glockengeläut jeden Abend um 18 Uhr über den See und auf die Höhe. Sonntags laden die Glocken zum Gottesdienst ein. Diese Kirche will ein Zeichen dafür sein, daß wir Gott dankbar sind für den schönen Ort, an dem wir wohnen und leben dürfen. Zugleich aber ist sie die Stätte, wo Menschen einander begegnen, die nach dem Worte Gottes leben wollen. So möchte diese Chronik auch einen Einblick in die Geschichte der Gnadenkirche geben.

Spandau-Pichelsdorf, August 1971
Pfarrer P. Helbich


Chronik von Ort und Kirchengemeinde Pichelsdorf (1971)
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